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Vor etwa 100 Jahren begann das Radio, unsere Hörgewohnheiten zu verändern und die Kulturtechnik des Sendens und Empfangens zu revolutionieren. Der Begriff „Radiophonie“ bezeichnet die daraus erwachsene Konstellation aus übertragenem Klang und Nebengeräuschen. Für Radiophonic Spaces hat Nathalie Singer, Professorin für Experimentelles Radio, ein begehbares Archiv kuratiert, einen Hör-Raum, in dem Zuschauer*innen sich durch mehrere Jahrzehnte Radiogeschichte und die Arbeiten von über 200 Radiokünstler*innen bewegen können. Zusammen mit dem Sound-Künstler Jacob Eriksen, der das Archiv mit Studierenden der UdK Sound Studies beforschen wird, diskutiert sie im Interview den Umbruch des Mediums, die neue Zeitlosigkeit des Digitalen und Samuel Beckett. Zum Beitrag...

1957 gründete der Künstler Guy Debord zusammen mit anderen linken europäischen Intellektuellen die Situationistische Internationale (S.I.). Die Bewegung verstand sich als „Revolutionäre Front in der Kultur“ und übte mit den Methoden des Spiels und der so genannten Kommunikationsguerilla Kritik am Spektakel der damaligen Warengesellschaft. In einer Zeit, in der marktwirtschaftliche Prinzipien das Leben nun noch viel umfassender durchdringen, regt das Ausstellungsprojekt The Most Dangerous Game im HKW eine Neubetrachtung der situationistischen Kritik an. Im Gespräch mit HKW-Intendant Bernd Scherer erklären die Kuratoren Wolfgang Scheppe und Roberto Ohrt, wie die S.I. die Aufhebung der Kunst verstand, ihre Mitglieder sich dennoch als Berufsrevolutionäre im Feld der Kunst wahrnahmen und im Zwiespalt darüber intellektuelle Beweglichkeit bewiesen. Zum Beitrag...

Wem nutzen Vorstellungen von Eigentum, Kontrolle und Verwertung von Musik? Und wie könnten Alternativen dazu aussehen? Die Rechtsethnologin und DJ Larisa Kingston Mann spricht mit Jan Kedves über Dub, Dancehall-Traditionen und Soundsystems, über kollektive Autorschaft, Strategien der mündlichen Überlieferung und die Reproduktion kolonialer Verhältnisse im globalen Musikgeschäft. Zum Beitrag...

1970 begann unter Präsident Salvador Allende die Produktion eines ungewöhnlichen Fahrzeugs in Chile. Der Yagán stand für den Umgang mit Technologien im chilenischen Sozialismus und für die Realisierung von Allendes utopischem Projekt. Eden Medina erzählt von der Entstehung dieses preiswerten Nutzfahrzeugs und davon, wie es in die Geschichte Chiles einging. Zum Beitrag...

Homeoffice, Schlafräume an Schulen und androide Lehrer*innen: Das und vieles mehr wünschen sich Schüler*innen sämtlicher Jahrgangsstufen an deutschen Schulen im In- und Ausland, so das Ergebnis des Ideenwettbewerbs Unsere Schule!. Der Pädagoge Robert Pfützner, wissenschaftlicher Begleiter des HKW-Projektes Schools of Tomorrow, im Gespräch mit Elisabeth Wellershaus über junge Menschen und ihre Vorstellung von einer Schule der Zukunft ohne Fremdbestimmung und Leistungsdruck nach globalisierten Maßstäben – rund hundert Jahre nach John und Evelyn Deweys Publikation Schools of To-Morrow und anderen frühen reformpädagogischen Bewegungen. Zum Beitrag...

Der Mensch erweist sich nicht nur als Gestalter der Erde, sondern auch als Gestalter der Tierwelt. Diese Formungen und die massenhafte Nutzung – wenn nicht gar: Ausbeutung – (anderer) Tiere durch den Menschen verursacht großes Tierleid, das vor der Öffentlichkeit meist verborgen und von ihr verdrängt wird. Die Rechtswissenschaftlerin Anne Peters blickt auf die historische Beziehung von „Tier“ und „Mensch“ und fordert globale Standards für Tierrechte vor dem Hintergrund sich auflösender Dichotomien. Zum Beitrag...

Die Geschichte des Beat ist eine der musiktechnischen Neuerungen und soziohistorischen Entwicklungen. Im 18. und 19. Jahrhundert wurde ein Platz in New Orleans zum wöchentlichen Treffpunkt für versklavte und befreite Afrikaner*innen, Amerikaner*innen und Haitianer*innen. Die Musikwissenschaftlerin Freddi Williams Evans zur historischen Aneignung des Ortes und ihrer Bedeutung für die Entstehung des Jazz. Zum Beitrag auf Englisch...

Normative binäre Konzepte wie Recht und Unrecht stecken in der Krise. Alternativen hierzu sind bislang nicht in Sicht. Die Politikwissenschaftlerin Nikita Dhawan analysiert die noch immer ausstehende Dekolonisierung des globalen Nordens und Südens und fordert einen transnationalen Gerechtigkeitsbegriff. Zum Beitrag...

Die Technosphäre, so scheint es, wird unter anderem durch Aktivitäten an der Schwelle zwischen „realen“ und digitalen Bereichen definiert. Mit der Musikerin und Autorin Annie Gårlid spricht der Produzent James Whipple (alias M.E.S.H.) über sein neustes Album Hesaitix, die akustische Erschaffung von Welten, Allmende und mehrdeutige Territorien. Zum Beitrag auf Englisch...

Wie verbinden sich globales Kapital und Weltpolitik unter dem Deckmantel einer angestrebten „Verbesserung“ der Welt? Welche Rolle spielen hierbei exklusive Treffen der Reichen und Mächtigen wie das jährliche Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos? Der Soziologe Ganga Jey Aratnam untersucht anlässlich von Rimini Protokolls Produktion Weltzustand Davos (Staat 4), die er als einer von fünf „Expert*innen des Alltags“ mitgestaltet, die Geschichte, Hintergründe und Vernetzungen des globalen Players WEF. Ein Beitrag in Auszügen. Zum Beitrag...