Re-Narrating History
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Re-Narrating History

Alexandra Kollontai (1872-1952) gilt als eine der bedeutendsten russischen Revolutionär*innen und Feminist*innen. Durch ihre Auseinandersetzung mit den Klassenkämpfen im Zuge der russischen Revolutionen von 1917 kam sie zu der Erkenntnis, dass die Arbeiter*innenklasse ohne die aktive Beteiligung der Frauen und die Aufnahme der „Frauenfrage“ in ihre Programme nicht erfolgreich sein kann. Zeitlebens kämpfte sie für die Durchsetzung dieser Einsicht, wie die Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz in ihrem Beitrag anlässlich der aktuellen HKW-HAU-Theaterkooperation „Utopische Realitäten – 100 Jahre mit Alexandra Kollontai“ zeigt. Zum Beitrag...

Ist die Demokratie tot? Zum Auftakt der Programmreihe STAAT 1-4 (2016-2018) von Rimini Protokoll zu Phänomenen der Postdemokratie und den Lücken im System beleuchtet der Philosoph Boris Buden die historische „Wahrheit“ der modernen Demokratie. Er rückt die Purifzierung ihrer Idee vor dem Hintergrund einer „unreinen“ Geschichte in den Mittelpunkt und erläutert die Gründe für deren heutige Rückkehr aus der ideologischen Verdrängung. Ein Blick unter den Deckmantel der erhabenen Instanz Demokratie. Zum Beitrag auf Englisch...

Wie sollten europäische Gesellschaften heute mit den Beschädigungen aus der Kolonialzeit umgehen? Wie mit den Folgen der Zerstörung von Orten, Körpern und Identitäten? Und welche Formen der „Reparation“ gegenwärtigen Unrechts wären angemessen? Im Rahmen der Veranstaltung BODY haben sich der Künstler Kader Attia und die Philosophin Françoise Vergès mit alten und neuen kollektiven Wunden auseinandergesetzt, mit Amputationen und dem mit diesen verbundenen Phantomschmerz. Hannah Gregory hat den Film- und Diskussionsabend für das Journal besucht und diskutiert die sich ergänzenden Positionen hier. Zum Beitrag auf Englisch...

Die Dahlemer Zeit des Ethnologischen Museums neigt sich ihrem Ende, der Umzug ins Humboldt-Forum steht unmittelbar bevor. Bei einem Themenabend des HKW mit Vorträgen und anschließender Diskussion im Museum ging es um eine der Kernfragen der Museologie: die Komplexität des Begriffs Ding. Museale Dinge sind ihres ursprünglichen Kontextes enthoben, ihre „Migrationsgeschichte“ führte sie an andere Orte und in neue Zusammenhänge. Der Medientheoretiker Arjun Appadurai, der Kulturtheoretiker Tony Bennett und die Museusmwissenschaftlerin Sharon Macdonald haben sich auf die Suche begeben nach alternativen Vorstellungen von den Dingen. Sie haben nach den Akteur*innen und Umständen von Migration gefragt, haben migrierende Dinge zu migrierenden Menschen in Beziehung gesetzt und die Beständigkeit von Objekten der Unbeständigkeit ihrer Bedeutung gegenüber gestellt. Ana Teixeira Pinto hat ihnen zugehört und ihre eigenen Schlüsse gezogen. Zum Beitrag auf Englisch...

Der Künstler Kader Attia – beobachtet der Filmemacher und Komparatist Manthia Diawara – verfügt über eine besondere Gabe: Er kann von Alterität sprechen und von den Traumata, die das koloniale „Andere“ verursacht hat, ohne in Antagonismen zu verfallen. Attias „Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures“ veranschaulicht dies in aller Deutlichkeit. Die Arbeit zeigt vertraut erscheinende Masken und Skulpturen aus Afrika und Europa, doch sind sie beschädigt, entstellt. Sie alle bedürfen der Reparatur. Es mag das Trauma sein, auf das Attia anspielt und das gemeinschaftsstiftend wirkt: die geteilte Sehnsucht, wiederhergestellt, repariert zu werden. Die Brutalität der Moderne – die Schuld des Kolonialismus und der Erste Weltkrieg – ist der Ausgangpunkt für die Beziehungen zwischen dem Selbst und dem „Anderen“. Und seien es allein Beziehungen zwischen beschädigten Identitäten, die Attia in seinem Werk so eindrücklich postuliert. Zum Beitrag auf Englisch...

Was passiert mit den Objekten, den Dingen, im Museum? In seinem 2005 erschienen Essay „Civic Laboratories“ untersucht der englische Kultur- und Sozialtheoretiker Tony Bennett die gleichzeitige Veränderlichkeit und Unveränderlichkeit von Objekten in Museumskontexten. Hierfür nimmt er Fragen der Identitätsbildung in den Blick und führt seine Leser*innen aus der europäischen Theoriebildung über Baldwin Spencers Inszenierungen von Aborigines in australischen Museen bis hin zu Franz Boas‘ Lebensgruppen im American Museum of Natural History in New York. Wie verändern sich Objekte mit ihrer Einbettung in unterschiedliche Regime von Objekthaftigkeit? Welche Formen des Innenlebens lösen diese beim betrachtenden Subjekt aus? Und welche erfordern sie? Zum Beitrag auf Englisch...

Der Erste Weltkrieg, gedacht als „the War to end all Wars“, hatte mitnichten die gewünschte Wirkung: Anonymisiertes Töten und Getötetwerden sowie die totale Entgrenzung einer technologisierten wie bürokratisierten Kriegsmaschinerie sind Hypotheken, die bis heute nicht beglichen sind. „Der Sieger“, so der Historiker Jörn Leonhard in seinem Beitrag zum Projekt Tatort Schlachtfeld, „war keine Nation, kein Staat, kein Empire, und sein Ergebnis war keine Welt ohne Krieg. Der eigentliche Sieger war der Krieg selbst.“ Zum Beitrag...

Eröffnungsrede von Bernd Scherer, Intendant des HKW, zum Auftakt von 100 Jahre Gegenwart am 30. September 2015

Notstandsverwaltung des Augenblicks versus Geschichte als Möglichkeitsraum: Wie kann unsere Gesellschaft zu neuen Handlungsmodellen kommen, statt ständig auf unerwartete Herausforderungen reagieren zu müssen? Zur Beantwortung dieser Frage hat Bernd Scherer den Bogen weit gespannt – von der Zeit-Geschichte zur Technik- und Kriegs-Geschichte. Zwischen Kapitalismus, Technologie und Beschleunigung ist ein explosives Amalgam entstanden, dessen Zusammensetzung dringend der Analyse bedarf: die Gegenwart. Zum Beitrag...

Ein Interview mit Jihan El-Tahri

Die Dokumentarfilmerin Jihan El-Tahri analysiert die moderne ägyptische Gesellschaft im Schatten der drei „Pharaonen“ Nasser, Sadat und Mubarak. Ein Gespräch über ihre geplante Trilogie. Zum Beitrag...