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Wo enden Toleranz und Laissez-faire? Wann werden Schweigen und Auslassungen zu Gewalt? Die Schriftstellerin Taiye Selasi thematisiert in ihren afrofuturistischen Erzählungen und Romanen gesellschaftlich akzeptierte Formen des Wegsehens und des Nicht-Einmischens. Der Kulturtheoretiker David Theo Goldberg blickt auf rassistische und identitär motivierte Gewaltauslassungen, während der Historiker Achille Mbembe der Normalisierung des strukturellen Verlassens ganzer Bevölkerungsgruppen auf den Grund geht. Die Schriftstellerin Jessica Lauren Elizabeth Taylor fasst ihre Positionen zusammen und skizziert verschiedene gesellschaftliche Phänomene vor dem Hintergrund steigender Gewaltpotenziale. Zum Beitrag auf Englisch...

Der Nationalstaat hat sich als internationales Ordnungsprinzip in der Moderne weitgehend durchgesetzt. Wie aber sehen Widerständigkeiten und Alternativmodelle zu seinen konfliktbehafteten Grenzziehungen und kapitalistischen Motivationen aus? Der Politikwissenschaftler James C. Scott betrachtet „Zomia“, ein Hochlandgebiet, das sich über Südostasien und das tibetische Hochland erstreckt und dessen indigene Bevölkerung sich seit jeher der Eingliederung in Imperien und Nationalstaaten verweigert hat. Ein Auszug aus seinem bahnbrechenden Buch „The Art of Not Being Governed“ (2009). Zum Beitrag...

Für seine Installation in der Ausstellung „2 oder 3 Tiger“ rekonstruierte Chia-Wei Hsu zusammen mit der Froschgottheit Marschall Tie Jia deren in der Kulturrevolution zerstörten Tempel von Wu-Yi. Der Künstler erläutert im Journal-Gespräch die Gemeinsamkeiten spiritueller und digitaler Welten, seine prozessgetriebene Arbeit mit lokalen Communities und die Wertschätzung vielzähliger Varianten von Geschichte. Zum Beitrag...

Wie lässt sich eine nicht-essentialistische Vorstellung von Identität entwickeln? Welche Strategien sind nötig, um die Imagination zu dekolonialisieren? Anselm Franke und Hyunjin Kim, die Kurator*innen der Ausstellung 2 oder 3 Tiger, über die kolonialistischen Anfänge weltweiter Überwachung, die Abgründe von Nationalismen historisch und heute und Möglichkeiten der Emanzipation von klassischen Traditionsverständnissen in Ostasien wie im Westen. Zum Beitrag auf Englisch...

Der Künstler Kader Attia – beobachtet der Filmemacher und Komparatist Manthia Diawara – verfügt über eine besondere Gabe: Er kann von Alterität sprechen und von den Traumata, die das koloniale „Andere“ verursacht hat, ohne in Antagonismen zu verfallen. Attias „Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures“ veranschaulicht dies in aller Deutlichkeit. Die Arbeit zeigt vertraut erscheinende Masken und Skulpturen aus Afrika und Europa, doch sind sie beschädigt, entstellt. Sie alle bedürfen der Reparatur. Es mag das Trauma sein, auf das Attia anspielt und das gemeinschaftsstiftend wirkt: die geteilte Sehnsucht, wiederhergestellt, repariert zu werden. Die Brutalität der Moderne – die Schuld des Kolonialismus und der Erste Weltkrieg – ist der Ausgangpunkt für die Beziehungen zwischen dem Selbst und dem „Anderen“. Und seien es allein Beziehungen zwischen beschädigten Identitäten, die Attia in seinem Werk so eindrücklich postuliert. Zum Beitrag auf Englisch...

Was passiert mit den Objekten, den Dingen, im Museum? In seinem 2005 erschienen Essay „Civic Laboratories“ untersucht der englische Kultur- und Sozialtheoretiker Tony Bennett die gleichzeitige Veränderlichkeit und Unveränderlichkeit von Objekten in Museumskontexten. Hierfür nimmt er Fragen der Identitätsbildung in den Blick und führt seine Leser*innen aus der europäischen Theoriebildung über Baldwin Spencers Inszenierungen von Aborigines in australischen Museen bis hin zu Franz Boas‘ Lebensgruppen im American Museum of Natural History in New York. Wie verändern sich Objekte mit ihrer Einbettung in unterschiedliche Regime von Objekthaftigkeit? Welche Formen des Innenlebens lösen diese beim betrachtenden Subjekt aus? Und welche erfordern sie? Zum Beitrag auf Englisch...

Gibt es Wahrheit? Und brauchen wir sie noch? Im Rahmen der Reihe Wörterbuch der Gegenwart diskutierten Wole Soyinka, Literaturnobelpreisträger, und Manthia Diawara, Filmemacher und Kulturtheoretiker, eine universelle Idee und ihre Relevanz in der heutigen Welt. Ausgangspunkt war die Négritude, von ihren Erfindern erdacht als wahrhafte Basis einer afrikanischen Identität. Zum Beitrag...