Essay
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Sarah Bay-Cheng hat für das 100 Jahre Gegenwart. Journal die US-Premiere von „Top Secret International (Staat 1)” in New York besucht. Über das Rimini Protokoll-Stück hinaus richtet die Theaterwissenschaftlerin den Blick auf Cyber-Attacken, Fake News und das Bild von Geheimdiensten. Eine Auseinandersetzung mit der Verletzbarkeit der Algorithmen und der gegenwärtigen Krise der Demokratie – im Theater und im wahren Leben. Zum Beitrag auf Englisch...

Alexandra Kollontai (1872-1952) gilt als eine der bedeutendsten russischen Revolutionär*innen und Feminist*innen. Durch ihre Auseinandersetzung mit den Klassenkämpfen im Zuge der russischen Revolutionen von 1917 kam sie zu der Erkenntnis, dass die Arbeiter*innenklasse ohne die aktive Beteiligung der Frauen und die Aufnahme der „Frauenfrage“ in ihre Programme nicht erfolgreich sein kann. Zeitlebens kämpfte sie für die Durchsetzung dieser Einsicht, wie die Sozialwissenschaftlerin Gisela Notz in ihrem Beitrag anlässlich der aktuellen HKW-HAU-Theaterkooperation „Utopische Realitäten – 100 Jahre mit Alexandra Kollontai“ zeigt. Zum Beitrag...

Ist die Demokratie tot? Zum Auftakt der Programmreihe STAAT 1-4 (2016-2018) von Rimini Protokoll zu Phänomenen der Postdemokratie und den Lücken im System beleuchtet der Philosoph Boris Buden die historische „Wahrheit“ der modernen Demokratie. Er rückt die Purifzierung ihrer Idee vor dem Hintergrund einer „unreinen“ Geschichte in den Mittelpunkt und erläutert die Gründe für deren heutige Rückkehr aus der ideologischen Verdrängung. Ein Blick unter den Deckmantel der erhabenen Instanz Demokratie. Zum Beitrag auf Englisch...

Der Film And-Ek Ghes…“ dokumentiert die Ankunft der Roma-Familie Velcu in Berlin. Welchen Stellenwert hat die selbstbestimmte Repräsentation von Migrant*innen und Geflüchteten in der ästhetischen Produktion? Filmemacher Philip Scheffner und Co-Regisseur Colorado Velcu liefern mit ihrer für den Grimme-Preis 2017 nominierten Langzeitbeobachtung einen ungewöhnlichen Beitrag zur Beantwortung dieser Frage. Zum Beitrag...

Wie sollten europäische Gesellschaften heute mit den Beschädigungen aus der Kolonialzeit umgehen? Wie mit den Folgen der Zerstörung von Orten, Körpern und Identitäten? Und welche Formen der „Reparation“ gegenwärtigen Unrechts wären angemessen? Im Rahmen der Veranstaltung BODY haben sich der Künstler Kader Attia und die Philosophin Françoise Vergès mit alten und neuen kollektiven Wunden auseinandergesetzt, mit Amputationen und dem mit diesen verbundenen Phantomschmerz. Hannah Gregory hat den Film- und Diskussionsabend für das Journal besucht und diskutiert die sich ergänzenden Positionen hier. Zum Beitrag auf Englisch...

Die Dahlemer Zeit des Ethnologischen Museums neigt sich ihrem Ende, der Umzug ins Humboldt-Forum steht unmittelbar bevor. Bei einem Themenabend des HKW mit Vorträgen und anschließender Diskussion im Museum ging es um eine der Kernfragen der Museologie: die Komplexität des Begriffs Ding. Museale Dinge sind ihres ursprünglichen Kontextes enthoben, ihre „Migrationsgeschichte“ führte sie an andere Orte und in neue Zusammenhänge. Der Medientheoretiker Arjun Appadurai, der Kulturtheoretiker Tony Bennett und die Museusmwissenschaftlerin Sharon Macdonald haben sich auf die Suche begeben nach alternativen Vorstellungen von den Dingen. Sie haben nach den Akteur*innen und Umständen von Migration gefragt, haben migrierende Dinge zu migrierenden Menschen in Beziehung gesetzt und die Beständigkeit von Objekten der Unbeständigkeit ihrer Bedeutung gegenüber gestellt. Ana Teixeira Pinto hat ihnen zugehört und ihre eigenen Schlüsse gezogen. Zum Beitrag auf Englisch...

Der Künstler Kader Attia – beobachtet der Filmemacher und Komparatist Manthia Diawara – verfügt über eine besondere Gabe: Er kann von Alterität sprechen und von den Traumata, die das koloniale „Andere“ verursacht hat, ohne in Antagonismen zu verfallen. Attias „Repair from Occident to Extra-Occidental Cultures“ veranschaulicht dies in aller Deutlichkeit. Die Arbeit zeigt vertraut erscheinende Masken und Skulpturen aus Afrika und Europa, doch sind sie beschädigt, entstellt. Sie alle bedürfen der Reparatur. Es mag das Trauma sein, auf das Attia anspielt und das gemeinschaftsstiftend wirkt: die geteilte Sehnsucht, wiederhergestellt, repariert zu werden. Die Brutalität der Moderne – die Schuld des Kolonialismus und der Erste Weltkrieg – ist der Ausgangpunkt für die Beziehungen zwischen dem Selbst und dem „Anderen“. Und seien es allein Beziehungen zwischen beschädigten Identitäten, die Attia in seinem Werk so eindrücklich postuliert. Zum Beitrag auf Englisch...

Was passiert mit den Objekten, den Dingen, im Museum? In seinem 2005 erschienen Essay „Civic Laboratories“ untersucht der englische Kultur- und Sozialtheoretiker Tony Bennett die gleichzeitige Veränderlichkeit und Unveränderlichkeit von Objekten in Museumskontexten. Hierfür nimmt er Fragen der Identitätsbildung in den Blick und führt seine Leser*innen aus der europäischen Theoriebildung über Baldwin Spencers Inszenierungen von Aborigines in australischen Museen bis hin zu Franz Boas‘ Lebensgruppen im American Museum of Natural History in New York. Wie verändern sich Objekte mit ihrer Einbettung in unterschiedliche Regime von Objekthaftigkeit? Welche Formen des Innenlebens lösen diese beim betrachtenden Subjekt aus? Und welche erfordern sie? Zum Beitrag auf Englisch...

Friedhofsgärtnereien sind der Inbegriff des deutschen Gewerbes. Auf dem Jerusalem-Friedhof im Berliner Schillerkiez gibt es auch eine – betrieben hingegen von Geflüchteten als Guerilla-Gardening. In ihrem experimentellen Videoprojekt Terra Nova bringt die Künstlerin Constanze Fischbeck Gärtner, Anwohner*innen und Expert*innen zusammen. Die Geschichte einer vorsichtigen Annäherung. Zum Beitrag...

Krieg und Displacement gehen Hand in Hand. Was der Historiker Jörn Leonhard in seiner Analyse des Ersten Weltkriegs herausstreicht – die Anonymisierung und Bürokratisierung von Gewalt – beschreibt der Schriftsteller Stefan Zweig exemplarisch anhand eines Einzelschicksals: Der Mensch als zum Scheitern verurteilter Spielball ungenannter, gnadenloser Mächte. Zum Beitrag...

Der Erste Weltkrieg, gedacht als „the War to end all Wars“, hatte mitnichten die gewünschte Wirkung: Anonymisiertes Töten und Getötetwerden sowie die totale Entgrenzung einer technologisierten wie bürokratisierten Kriegsmaschinerie sind Hypotheken, die bis heute nicht beglichen sind. „Der Sieger“, so der Historiker Jörn Leonhard in seinem Beitrag zum Projekt Tatort Schlachtfeld, „war keine Nation, kein Staat, kein Empire, und sein Ergebnis war keine Welt ohne Krieg. Der eigentliche Sieger war der Krieg selbst.“ Zum Beitrag...

Acht Tage lehren, lernen, experimentelle Formen der Wissensproduktion und -aneignung austauschen. Der Technosphere Campus am HKW widmete sich einem Thema, das mehr und mehr weltbestimmend wird: der Technosphäre. In Zeiten, in denen nicht nur „smart“-Produkte Technologie und Leben untrennbar verschmelzen, sondern mit Hilfe von Algorithmen der Mensch ebenso wie seine Umwelt umfassend berechnet wird, ist ein Phänomen entstanden, das dringend der Erforschung bedarf. Brian Holmes, Kulturkritiker und Co-Leiter des Seminars „Governing the Anthropocene“, berichtet. Zum Beitrag auf Englisch...